Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

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S.P.
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von S.P. »

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S.P.
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von S.P. »

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Soweit so gut, ich hoffe Ihr könnt damit etwas anfangen ;-)


Gruß,

Sebastian
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Dirk Wacker
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von Dirk Wacker »

Na da hat es der Fischer Max aber in Sachen Holzauswahl so richtig krachen lassen, ich denke da kann man getrost von der Annahme ausgehen, dass es entweder ein Modell der Oberklasse ist oder evtl. sogar eine Sonderanfertigung auf Kundenwunsch. Weißt Du etwas über den Werdegang der Gitarre bzw. wie bist Du in ihren Besitz gelangt ?

Zu den Hölzern:

Boden und Zarge: geflammter Ahorn (vollmassiv)
Decke: Haselfichte (vollmassiv)
Griffbrett: vermutlich Rio-Palisander (Vorsicht, CITES beachten !!!)
Steg: Palisander (vermutlich Ost-Indischer)
Hals: Mahagoni

Die Art der der Ausführung der Bundierung und die Mechaniken deuten auf die frühen bis Mitte der 60´er Jahre hin, evtl. findet sich im Inneren der Gitarre noch ein Hinweis auf das Alter, dass ist aber ohne Spiegel + Beleuchtung bzw. Endoskop nahezu unmöglich rauszubekommen.

Ich hoffe as hilft Dir erst Mal weiter ?

S.P.
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von S.P. »

Hallo Dirk,

sehr interessant was Du über die verwendeten Hölzer schreibst, dass hilft natürlich schon sehr. Dann verstehe ich nun auch etwas besser, weshalb meinem Laienauge das Finisch und die Maserung sowie die Komposition der Hölzer insgesamt sofort in's Auge gestochen sind :smile:

Zum Werdegang soweit ich etwas dazu sagen kann:

Ich selbst habe die Gitarre vor kurzer Zeit von meiner Schwiegermutter bekommen, da Sie selbst schon seit ihrer Kindheit ca. Mitte 1970 nicht mehr Gitarre spielt.
Sie hatte die Gitarre Anfang 1970 von ihrer Großtante geschenkt bekommen, da Sie in der Gymnasialzeit begann Gitarre zu lernen. Die besagte Großtante, war evangelische Schwester in der Diakonie, hatte nach dem Krieg beim Wiederaufbau im Osten Deutschlands geholfen und vermutlich zu dieser Zeit die Gitarre dort als Geschenk erhalten.

Die Großtante spielte selbst nicht Gitarre und behielt diese nur aus ästhetischen und ideelen Gründen. Meine Schwiegermutter spielte diese Gitarre letztendlich auch nicht, da sie eine für Sie einfacher zu spielende Gitarre von ihren Eltern zum Üben erhielt.
So stand diese Gitarre bis heute in einer Gitarren-Leinentasche (kein Koffer) bei der Schwiegermutter und wurde nun wiederum uns, mir und meiner Frau zum Üben geschenkt.

Da mir auffiel, dass diese äußerst schön aussieht, gut erhalten ist und wunderbar klingt, bekam ich Interesse an der Geschichte und Herkunft dieser schönen Gitarre.
Ich bin zwar Laie was Instrumente betrifft, schätze aber Handwerkskunst durchaus sehr, weshalb mein Interesse an Informationen zu diesem schönen Stück Handwerkskunst entstand.

Ich finde alles bisher gelesene sehr spannend und danke schon mal für deine zusätzlichen Hinweise Dirk!


Viele Grüße,

Sebastian :wink:

S.P.
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von S.P. »

Müsste die Gitarre, da auf dem Firmensignet "MAFIMA" steht, nicht aber bereits vor dem Krieg gefertigt worden sein..?
von Thomas Büchler » Sa 24. Nov 2012, 16:20

Hallo,
mein Name ist Thomas Büchler, Jahrgang 82 und der Urenkel von Max Fischer.
Da ich gerade eine Biographie von meinem Opa Johannes Fischer schreibe, bin ich auf die Seite gestoßen.

Max Fischer hat von 1945 bis 1967 Gitarren gebaut.
Zum einen Gitarren für den Hausgebrauch, die sich jeder leisten konnte,
zum anderen hochwertige Konzertgitarren.
Diese hochwertigen Gitarren hatten alle eine Seriennummer.

MAFIMA war die Firma meines Urgroßvaters vor dem Krieg. Diese hat er ca. 7 Jahre lang geführt.
Nach dem Krieg war eine Fortführung nicht mehr möglich.
Da auf unserer Gitarre nun MAFIMA steht, die Firma MAFIMA den Angaben Herrn Thomes Büchler nach aber nur 7 Jahre bestand und NACH dem Kriege nicht fortgeführt wurde, müsste der Herstellungszeitraum vermutlich vor dem Krieg und somit in einem Zeitraum -7 Jahre vor besagtem Krieg und damit dem Ende des Bestehen der Fa. MAFIMA liegen.
Oder wurde dieses "Label" auch nach dem Krieg noch verwendet?Habe ich da vielleicht einen Denkfehler?

Ich messe deinen Aussagen mehr Gewicht bei als meinen Vermutungen, habe da aber ein logisches Problem wenn beide Aussagen stimmen Sollten :grübel:


Viele Grüße

Sebastian :wink:
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Label "MAFIMA"
Label "MAFIMA"

Dirk Wacker
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von Dirk Wacker »

Sämtliche Konstruktionsmerkmale und die verwendeten Mechaniken sprechen dagegen - ich sehe da ehrlich gesagt auch keinen Widerspruch wenn er bis 1967 Gitarren gebaut hat ?!? Die Ausführung spricht meiner Meinung nach für die Zeit Mitte - Ende der 60´er Jahre

S.P.
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von S.P. »

Dann wird sie wie Du sagst um diesen Zeitraum gebaut worden sein :smile:
Ich hatte mich wohl von der Aussage des Herrn Büchler die Fa. MAFIMA sei nach dem Krieg nicht mehr weitergeführt worden irritieren lassen. Wenn die Fakten, nämlich die Ausführung wie Du beschreibst, definitiv einen anderen Fertigungszeitraum nahe legen, glaube ich Dir und danke Dir nochmal für deine Expertise !! :idea: :v:
Die Aufschrift MAFIMA in ""Anführungszeichen" unter dem Schriftzug "Max & Ernst Fischer" kann sich natürlich auch nach dem Krieg, um Mitte - Ende 60'er wie Du sagst, auf die ehemals vor dem Krieg geführte Firma MAFIMA und damit als Referenz zur damit ehemals bekannten "Marke" beziehen.

Kurz und bündig: MAFIMA wurde nach dem Krieg nicht mehr fortgeführt. Gebaut wurde aber auch nach dem Krieg bis 1967 mit Bezug auf MAFIMA. So, ich denke jetzt habe auch ich es verstanden, pardon für die lange Leitung :rolleyes:


Groschen-Fallgruß,

Sebastian


PS:
Bisher habe ich Im Korpus keinen Hinweis auf ein Datum finden können (Video mit Handy und eingeschalteter Taschenlampe 🔦).
Das ging überraschend gut, die Winkel sind jedoch wie erwartet begrenzt.
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Dirk Wacker
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von Dirk Wacker »

Das Label ist sicherlich über die Zeit hinweg zigmal geändert worden, ich selber habe eine Max Fischer Parlor Gitarre aus den 20´er Jahren die ein komplett anderes Label aufweist, ein paar Bilder davon findest Du hier: https://www.premierguitar.com/diy/mod-g ... the-inside

Ich verstehe den Text auch in die Richtung, dass Max Fischer (ob nun bis zum Schluss mit oder ohne seinen Bruder Ernst ?!?) bis 1967 Gitarren gebaut hat und vermutlich auch das "MAFIMA" Label bis zum Schluss verwendet hat. Aber da könntest Du sicherlich seinen Urenkel mal zu kontaktieren aber natürlich auch das Museum, welches eine Datenbank mit Firmendaten hat und immer gerne Auskunft gibt.

Auch bei der Bebalkung Deiner Gitarre wollte es der Fischer Max wohl wissen und hat sie offensichtlich für die Ewigkeit konzipiert. Gut möglich, dass sich auf einem der Deckenbalken ein Signet, eine Jahreszahl etc. befindet. Es wurde damals gerne mit Bleistift geschrieben, oft ist davon heute nichts mehr übrig bzw. man sieht nur noch bei UV-Licht die Abdrücke der Bleistiftspitze.

Lass Deine Gitarre mal beim örtlichen Gitarrenbauer durchchecken, evtl. wieder spielbereit machen lassen und spiel sie so oft es geht - dafür wurde sie gebaut !

S.P.
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von S.P. »

Danke für den Link zur Anleitung der Reinigung einer älteren Akkustik (übrigens schöne Gitarre!). Wenn ich richtig gelesen habe, sogar von Dir..genial deine Beschreibung, ich musste bei den möglichen Fundstücken im Inneren einer solchen am Ende wirklich herzhaft lachen :rofl:
Ein sehr guter Beitrag, hat Spaß gemacht ihn zu lesen, danke dafür!

Ich werde deinem Rat folgen und versuchen den Urenkel Herrn Büchler sowie das Museum zu kontaktieren und bin gespannt, ob sich dort noch weiteres in Erfahrung bringen lässt. Die "Sache" mit seinem Bruder werde ich ansprechen und natürlich berichten!

Interessanter Hinweis mit dem Deckenbalken, ich habe tatsächlich Zugriff auf eine Art Endoskop und biegsam Kameras plus UV Licht. Leider nicht heute aber in naher Zeit werde ich den Tipp aufgreifen und dort einmal näher nachsehen !!

Ich habe mit ihr, nachdem ich sie (ähnlich wie Du beschrieben hast) ausgesaugt und oberflächlich gereinigt hatte meine Übungen (selbstverständlich mit Bedacht und Wertschätzung) gemacht und muss sagen Sie klingt bereits hervorragend für meine Ohren. Ich werde Sie aber vom Fachmann in München wie du sagst einmal durchchecken lassen und berichten falls ich dort etwas erfahre! Wenn Sie, wie Du sagst wirklich so robust gebaut wurde, freut mich das zusätzlich, dann kann ich noch lange auf ihr spielen :yahoo:
Ich habe nicht vor sie zu verkaufen, da ich mich sehr freue auf einer so schönen Gitarre meinem Weg in's Gitarre spielen beginnen zu dürfen, aber kann man denn grob etwas zum etwaigen Wert einer solchen Gitarre sagen?


Viele Grüße,
Sebastian

Dirk Wacker
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von Dirk Wacker »

Eine gute Adresse in München bzw. in der Nähe ist Staufer Guitars (André Waldenmaier)

Bei solch alten Gitarren ist es immer eher schwierig einen Wert zu ermitteln, zumal hier der sog. Wiederbeschaffungswert vom Liebhaber/Sammler Wert zu trennen ist. Ich denke eine solch optisch auffällige Gitarre würde in der eBay so irgendwo zwischen 350-450 Euro gehen, ein Liebhaber ist sicherlich bereit da noch was draufzulegen.

S.P.
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von S.P. »

Danke, dann werde ich den Herrn Waldenmaier mal kontaktieren! :v:
Da ich selbst Messersammler bin, weiß ich was Du mit Liebhebern und deren Preisen im Vergleich zu ebay allgemein meinst. Ich bin diesbezüglich nämlich selbst ein solcher Liebhaber bei dem Thema ;)
Wobei ich denke, angenommen ich wollte mir eine gleichwertige (Materialien, Ausführung) Gitarre heutzutage bauen lassen, läge ich doch etwas über 450€ wenn ich mich nicht täusche..
Da sie bei mir bleiben darf, hat sie für mich sowieso ihren ganz eigenen Wert.


Danke und Grüße,

Sebastian

Dirk Wacker
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Re: Gitarre von Max Fischer, Gitarrenbaumeister Markneukirchen

Beitrag von Dirk Wacker »

Keine Frage, die Gitarre mit diesen vollmassiven Hölzern heute von Hand gebaut dürfte sich im Bereich zwischen 1.500-2.000 Euro bewegen wobei das Thema Rio-Palisander Griffbrett noch nicht berücksichtigt ist, da könnte dann schnell noch mal was oben drauf kommen.

Aber Du siehst das genau richtig: Deine Gitarre hat eine Familiengeschichte und dadurch einen für Dich individuellen Wert, den man weder versichern noch wiederbeschaffen kann, von daher muss man das ganze Thema auch anders betrachten.

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