Alte Parlorgitarre bestimmen

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Joralin
ehemaliger Museumsmitarbeiter
Beiträge: 2
Registriert: Sa 16. Okt 2021, 13:24

Alte Parlorgitarre bestimmen

Beitrag von Joralin »

Hallo Zusammen,

ich habe eine alte Parlorgitarre.

Meiner Meinung nach müsste es ein recht hochwertiges Modell sein, wenn ich mir die aufwändigen Verzierungen da so ansehe.

Leider kenne ich mich damit nicht wirklich aus, ich bin auch kein Gitarrenspieler.

Es steht der Instrumentenvertrieb im Schalloch, aber kein Expliziter Erbauer. Der Zustand scheint mir insgesamt recht gut zu sein.

Alle Infos zu möglichem Alter, Erbauer, Qualität und ungefährem Wert sind Interessant für mich.

Danke für jede Hilfe :-)

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Dirk Wacker
ehemaliger Museumsmitarbeiter
Beiträge: 172
Registriert: Fr 15. Nov 2013, 16:26

Re: Alte Parlorgitarre bestimmen

Beitrag von Dirk Wacker »

Hmmm, ich glaube ehrlich gesagt nicht an ein hochwertiges Modell - auf den Bildern sieht es so aus, als wäre nur die innere Einfassung vom Schallloch massiv ausgeführt und alle übrigen Intarsien per Siebdruchverfahren aufgedruckt was zu dieser Zeit nichts ungewöhnliches war, schließlich sollten auch die einfachen Modelle hochwertig aussehen.

Schau mal mit Vergrößerung (Lupe) drauf, sind die Intarsien massiv oder aufgedruckt ?

Die Firma gab es von 1890 bis ca. Mitte der 1930´er Jahre, von der Art her würde ich Deine Gitarre auf die späten 20´er oder frühen 30´er Jahre datieren. Hast Du sie mal von innen mit einem Spiegel und Beleuchtung untersucht ob sich irgendwo evtl. eine Jahreszahl befindet ?

Vom Foto her hat die Gitarre eine Fichtendecke (ob massiv oder gesperrt lässt sich so nicht sagen), Griffbrett und Boden (vermutlich massiv) sind aus Palisander. Das Griffbrett sieht sehr nach ostindischem Palisander aus, der Boden nach Rio Palisander. Der Steg ist irgendein schwarz gebeiztes Holz (vermutlich Linde), kein Ebenholz. Die Art der Befestigung mit zwei Schrauben durch die Decke spricht hier auch sehr gegen ein hochwertiges Modell. Bei den teureren Modellen wurde stes mit Warmleim gearbeitet und dann wäre der Steg auch aus Ebenholz und hätte eine Stegeinlage aus Knochen und nicht wie hier aus einem Stück Bunddraht.

Die Firma Hermann Oscar Otto war KEIN Gitarrenbauer sondern ein Instrumentalhandel wo von der Triangel bis zum Kontrabaß alles gehandelt wurde. Von daher wird man keinen konkreten Gitarrenbauer ermitteln können, selbst wenn bekannt wäre, wer als Zulieferer für die Firma Otto seinerzeit gearbeitet hat. Mit etwas Glück findet sich im Inneren ein Hinweis auf den Erbauer (Initialien, ein Name, Datum etc.), in aller Regel mit Bleistift an eine unauffällige Stelle geschrieben, damit es der Händler nicht entdeckt - ein Versuch, der Anonymität dieses Geschäfts zu entfliehen. Oft ist der Bleistift im Laufe der Jahrzehnte verblasst, dann hilft nur noch UV-Licht.

Ich hoffe das hilft Dir erst mal weiter ?

Joralin
ehemaliger Museumsmitarbeiter
Beiträge: 2
Registriert: Sa 16. Okt 2021, 13:24

Re: Alte Parlorgitarre bestimmen

Beitrag von Joralin »

Dankeschön für die Infos.

Die Einlagen sind aus Holz und nicht aufgedruckt denke ich.

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